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Budget und SicherheitArtikel 01 / 05

Notgroschen aufbauen: Wie groß die Reserve sein sollte

Wie viel Geld sollte für Unvorhergesehenes bereitliegen, wo bewahrt man diese Reserve sinnvoll auf, und wie entsteht sie, wenn am Monatsende wenig übrig bleibt?

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  • Redaktion capital-trad

Die Waschmaschine gibt auf, das Auto muss in die Werkstatt, eine Nachzahlung für Nebenkosten kommt ins Haus. Solche Ereignisse sind einzeln selten, über ein Jahr betrachtet aber fast sicher. Wer für sie keine Reserve hat, muss in diesem Moment improvisieren: das Konto überziehen, eine Ratenzahlung abschließen oder andere Rechnungen liegen lassen. Jede dieser Lösungen kostet Geld und oft auch Nerven.

Der Notgroschen, manchmal auch Notreserve oder Liquiditätsreserve genannt, ist ein Betrag, der genau für diese Fälle zurückgelegt wird. Er ist kein Sparziel für etwas Schönes und keine Geldanlage, sondern eine Art Puffer zwischen dem Alltag und dem Unerwarteten. Dieser Text erklärt, wie man seine Größe abschätzt, welche Eigenschaften der Aufbewahrungsort haben sollte und wie man eine Reserve auch mit kleinen Beträgen aufbaut.

TL;DRDas Wichtigste in Kürze

  • Der Notgroschen ist ein Puffer für unvorhergesehene Ausgaben und Einkommenslücken, keine Geldanlage.
  • Als Orientierung gelten oft drei bis sechs Monate der notwendigen Ausgaben; die passende Größe hängt von der eigenen Lage ab.
  • Wichtiger als ein hoher Zins ist, dass das Geld schnell verfügbar ist und nicht schwankt.

Wofür die Reserve da ist

Eine Reserve deckt zwei Arten von Ereignissen ab. Die erste sind plötzliche Ausgaben: Reparaturen, Ersatz für ein defektes Gerät, eine Zahnbehandlung, eine kurzfristige Reise aus familiären Gründen. Die zweite sind Lücken auf der Einnahmenseite, etwa wenn sich zwischen zwei Arbeitsverhältnissen eine Pause ergibt, wenn Krankengeld niedriger ausfällt als das Gehalt oder wenn Aufträge bei Selbstständigen ausbleiben.

In beiden Fällen sorgt die Reserve dafür, dass laufende Verpflichtungen wie Miete, Strom und Versicherungen weiter bezahlt werden können, ohne dass ein Kredit nötig wird. Sie verschafft Zeit, und Zeit ist in solchen Situationen oft das Wertvollste: Man kann Angebote vergleichen, statt das erstbeste zu nehmen, und Entscheidungen in Ruhe treffen.

Wie groß sie sein sollte

Eine häufig genannte Faustregel lautet: drei bis sechs Monate der notwendigen Ausgaben. Gemeint sind nicht die gesamten Ausgaben eines Monats, sondern das, was unbedingt weiterlaufen muss: Wohnen, Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität und bestehende Raten. Wer diese Posten aus einem Haushaltsbuch oder den Kontoauszügen der letzten Monate zusammenrechnet, erhält eine erste Basis.

Ob eher das untere oder das obere Ende der Spanne passt, hängt von der persönlichen Lage ab. Einige Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Wie sicher und regelmäßig ist das eigene Einkommen?
  • Gibt es ein zweites Einkommen im Haushalt, das eine Lücke abfedern könnte?
  • Wie alt sind Auto, Heizung und größere Geräte, deren Ersatz absehbar ist?
  • Leben Kinder oder andere Angehörige im Haushalt, für die man sorgt?
  • Wie hoch sind feste Verpflichtungen, die sich kurzfristig nicht senken lassen?

Selbstständige und Menschen mit schwankendem Einkommen planen häufig mit einer größeren Reserve, weil Einnahmen ausbleiben können, ohne dass ein Sicherungssystem greift. Wer dagegen in einem sicheren Arbeitsverhältnis steht und geringe Fixkosten hat, kommt mit weniger aus. Eine exakte Zahl gibt es nicht; die Faustregel ist ein Ausgangspunkt für die eigene Überlegung.

SCHEMA / RESERVE ZWISCHEN ALLTAG UND ZIELEN Girokontolaufende Ausgaben Reserve Sparzieleplanbar, langfristig Entnahme im Ernstfall, danach wieder auffüllen
Schema: Die Reserve sitzt zwischen laufendem Konto und langfristigen Zielen. Sie wird aufgefüllt, wenn etwas übrig bleibt, und angegriffen, wenn etwas Unerwartetes passiert.

Wo das Geld liegen kann

Für den Notgroschen zählen drei Eigenschaften. Er sollte schnell verfügbar sein, damit man im Ernstfall innerhalb weniger Tage darauf zugreifen kann. Er sollte keinen Wertschwankungen unterliegen, denn eine Reserve, die genau dann gesunken ist, wenn man sie braucht, erfüllt ihren Zweck nicht. Und er sollte vom Alltagskonto getrennt sein, damit er nicht nach und nach in den laufenden Ausgaben verschwindet.

In Deutschland nutzen viele dafür ein separates Tagesgeldkonto. Einlagen bei Banken sind hier im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu einer bestimmten Höhe pro Person und Bank geschützt. Welcher Anbieter gewählt wird, ist eine persönliche Entscheidung; entscheidend sind Verfügbarkeit, Sicherheit und Übersichtlichkeit, nicht der höchste Zinssatz.

Ein Teil der Reserve als Bargeld zu Hause kann für kurze Ausfälle von Kartenzahlungen sinnvoll sein, sollte aber überschaubar bleiben. Größere Beträge sind auf einem Konto besser geschützt als in einer Schublade.

Schritt für Schritt aufbauen

Drei bis sechs Monatsausgaben sind für viele Haushalte eine große Summe. Sie entsteht selten auf einmal, sondern in kleinen, regelmäßigen Schritten. Hilfreich ist es, die Reserve wie eine feste Ausgabe zu behandeln:

  1. Basis berechnenDie notwendigen Monatsausgaben aus den letzten Kontoauszügen zusammenstellen.
  2. Ein Zwischenziel setzenZuerst eine Monatsausgabe als Reserve anpeilen, dann die nächste.
  3. Dauerauftrag einrichtenAm Tag nach dem Gehaltseingang einen festen Betrag auf das Reservekonto überweisen.
  4. Sonderzahlungen nutzenTeile von Erstattungen, Rückzahlungen oder Sonderzahlungen direkt zurücklegen.
  5. Nach Entnahme auffüllenWird die Reserve genutzt, den Dauerauftrag beibehalten, bis der Zielbetrag wieder erreicht ist.

Auch zwanzig oder dreißig Euro im Monat verändern etwas. Nach einem Jahr ist ein Betrag vorhanden, der eine kleinere Reparatur ohne Überziehung des Kontos auffängt. Der Effekt ist nicht nur finanziell: Viele Menschen berichten, dass sie mit einer Reserve entspannter auf unerwartete Post reagieren.

Typische Missverständnisse

Ein häufiges Missverständnis ist, die Reserve müsse vor allem Ertrag bringen. Ihr Zweck ist ein anderer: Sie soll im richtigen Moment vollständig verfügbar sein. Ein zweites Missverständnis betrifft die Reihenfolge. Wer teure Schulden wie einen dauerhaft genutzten Dispokredit hat, sollte prüfen, ob es sinnvoll ist, zuerst eine kleine Reserve aufzubauen und parallel die Schulden zu verringern, statt alles auf einmal lösen zu wollen.

Schließlich wird die Reserve manchmal als unantastbar betrachtet, sodass man im Ernstfall doch lieber das Konto überzieht. Doch genau für diesen Ernstfall ist sie gedacht. Sie zu nutzen ist kein Scheitern, sondern ihr eigentlicher Zweck.

Fazit

Der Notgroschen ist eines der unspektakulärsten und zugleich wirksamsten Elemente eines Haushaltsplans. Er schützt nicht vor unerwarteten Ereignissen, aber vor ihren teuersten Folgen. Seine Größe richtet sich nach den notwendigen Ausgaben und der eigenen Lage, sein Ort nach Verfügbarkeit und Sicherheit. Wie schnell er wächst, ist zweitrangig; entscheidend ist, dass er überhaupt entsteht und nach jeder Nutzung wieder aufgefüllt wird.

Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der Bildung und stellt keine Finanzberatung oder Handlungsaufforderung dar. Entscheidungen über Geld, Kredite oder Anlagen treffen Sie selbst und in eigener Verantwortung.