RRisiko und StreuungArtikel 04 / 05
Risiko und Streuung einfach erklärt: Was Diversifikation leistet
Was meinen Fachleute, wenn sie von Risiko sprechen, warum gilt Streuung als Grundprinzip, und welche Risiken bleiben auch dann bestehen, wenn Geld auf viele Bereiche verteilt ist?
Im Alltag bedeutet Risiko meist eine Gefahr: Etwas könnte schiefgehen. In der Finanzwelt ist der Begriff weiter gefasst. Er beschreibt die Unsicherheit darüber, wie sich ein Wert entwickeln wird, und zwar in beide Richtungen. Ein Wertpapier, dessen Preis stark schwankt, gilt als riskant, auch wenn die Schwankungen zeitweise nach oben gehen.
Streuung, auch Diversifikation genannt, ist eine der ältesten Antworten auf diese Unsicherheit. Die Idee steckt schon im Sprichwort, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Dieser Text erklärt, was Risiko in diesem Zusammenhang meint, wie Streuung wirkt, welche Formen es gibt und warum sie kein Versprechen ist, Verluste zu vermeiden.
TL;DRDas Wichtigste in Kürze
- Risiko bezeichnet in der Finanzwelt die Unsicherheit über künftige Entwicklungen, nicht nur die Gefahr eines Verlusts.
- Streuung verringert die Abhängigkeit von einzelnen Ereignissen, weil sich nicht alle Teile gleich entwickeln.
- Risiken, die den gesamten Markt betreffen, lassen sich durch Streuung nicht beseitigen; Verluste bleiben möglich.
Was Risiko hier bedeutet
Wer Geld anlegt, weiß nicht, wie sich der Wert entwickeln wird. Diese Unsicherheit nennen Fachleute Risiko. Gemessen wird sie häufig an der Schwankungsbreite, also daran, wie stark ein Wert in der Vergangenheit um seinen Durchschnitt herum gestiegen und gefallen ist. Der Fachbegriff dafür ist Volatilität. Eine hohe Volatilität bedeutet, dass große Bewegungen in kurzer Zeit üblich waren.
Diese Messung hat Grenzen. Sie beruht auf Daten der Vergangenheit, und die Zukunft kann anders verlaufen. Seltene, heftige Ereignisse sind in historischen Daten oft unterrepräsentiert. Risiko ist deshalb nie vollständig messbar, sondern immer auch eine Frage der Einschätzung.
- Volatilität
- Maß für die Schwankungsbreite eines Wertes über einen Zeitraum
- Korrelation
- Maß dafür, wie ähnlich sich zwei Werte im Zeitverlauf bewegen
- Klumpenrisiko
- hohe Abhängigkeit von einem einzelnen Wert, Unternehmen, Land oder Wirtschaftszweig
- Marktrisiko
- Risiko, das den gesamten Markt betrifft und sich nicht wegstreuen lässt
Das Prinzip der Streuung
Streuung bedeutet, Geld auf mehrere Werte zu verteilen, die sich nicht alle gleich entwickeln. Fällt der Preis eines einzelnen Wertpapiers stark, betrifft das nur einen Teil des Ganzen. Im Idealfall werden Verluste an einer Stelle durch stabilere oder steigende Entwicklungen an anderer Stelle teilweise ausgeglichen.
Entscheidend ist dabei nicht die Zahl der Teile, sondern wie unterschiedlich sie sich verhalten. Zehn Unternehmen aus derselben Branche und demselben Land reagieren auf viele Ereignisse ähnlich. Ihre Bewegungen sind stark korreliert, und die Streuung wirkt schwächer, als die Zahl vermuten lässt. Wirksamer wird sie, wenn die Teile auf unterschiedliche Einflüsse reagieren.
Ebenen der Streuung
In Lehrbüchern werden mehrere Ebenen unterschieden, auf denen Streuung möglich ist. Sie beschreiben Denkrichtungen und sind keine Empfehlung für eine bestimmte Aufteilung:
- über einzelne Unternehmen hinweg, um nicht von einem Firmenschicksal abzuhängen
- über Branchen, weil Wirtschaftszweige unterschiedlich auf Entwicklungen reagieren
- über Länder und Regionen, weil Konjunktur und Politik sich unterscheiden
- über Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Einlagen, die unterschiedliche Eigenschaften haben
- über die Zeit, indem Beträge nicht auf einmal, sondern verteilt angelegt werden
Fonds, die viele Wertpapiere bündeln, werden oft als Mittel zur Streuung beschrieben. Auch hier lohnt der genaue Blick: Ein Fonds kann trotz vieler Positionen stark auf eine Region oder Branche ausgerichtet sein.
Was Streuung nicht leistet
Streuung verringert das sogenannte unsystematische Risiko, also Risiken, die an einzelnen Unternehmen oder Branchen hängen. Gegen das systematische Risiko, das den gesamten Markt betrifft, hilft sie kaum. In einer breiten Wirtschaftskrise fallen häufig viele Werte gleichzeitig, und die Unterschiede zwischen ihnen werden kleiner. Gerade in solchen Phasen steigen die Korrelationen oft an.
Streuung ist deshalb kein Versprechen, Verluste zu vermeiden. Sie verändert die Art des Risikos, nicht seine grundsätzliche Existenz. Jede Geldanlage kann an Wert verlieren, und die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keinen verlässlichen Schluss auf die Zukunft zu.
Streuung im Haushalt
Das Prinzip ist nicht auf Geldanlagen beschränkt. Auch ein Haushalt kann Klumpenrisiken haben: ein einziges Einkommen, von dem alles abhängt, eine Reserve, die vollständig in einer Form gebunden ist, oder hohe feste Kosten, die bei einer Veränderung nicht anpassbar sind. Der Gedanke der Streuung lädt dazu ein, solche Abhängigkeiten zu erkennen und zu prüfen, ob sie bewusst gewählt sind.
Ein Beispiel: Wer sein gesamtes Erspartes in eine einzige größere Anschaffung oder in eine Beteiligung am eigenen Arbeitgeber steckt, verbindet Einkommen und Vermögen mit demselben Schicksal. Gerät das Unternehmen in Schwierigkeiten, sind beide gleichzeitig betroffen. Solche Konstellationen sind nicht automatisch falsch, sie sollten aber eine bewusste Entscheidung sein und nicht zufällig entstehen.
Fazit
Risiko beschreibt in der Finanzwelt die Unsicherheit über künftige Entwicklungen. Streuung ist ein bewährtes Prinzip, um die Abhängigkeit von einzelnen Ereignissen zu verringern, und ihre Wirkung hängt davon ab, wie unterschiedlich sich die einzelnen Teile verhalten. Gegen Risiken, die den ganzen Markt betreffen, schützt sie nicht. Wer das Prinzip versteht, kann Aussagen über Sicherheit und Risiko besser einordnen und Versprechen, die beides angeblich auflösen, kritisch prüfen.
Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der Bildung und stellt keine Finanzberatung oder Handlungsaufforderung dar. Entscheidungen über Geld, Kredite oder Anlagen treffen Sie selbst und in eigener Verantwortung.